Wie gesagt, der Hut zum Kleid hat eine Geschichte.
Für mich beginnt sie vor ein paar Monaten/ einem Jahr / eineinhalb, so genau weiß ich das nicht mehr, als ich eines Abends an einem Antiquitätengeschäft vorbeiging. Drin fand grad eine Vernissage statt und ich entdeckte beim vorsichtig Hineinspähen jenen Hut in der Auslage. Ich denk mir nur, du meine Güte, was für ein tolles Ding, aber das Geschäft sah teuer aus und der Hut würde wohl sicher unerschwinglich und wahrscheinlich eh schnell weg sein, denn sowas kann man ja nicht liegen lassen. Nu ja. Vor ein paar Tagen kam ich wieder an dem Laden vorbei, diesmal zu normalen Öffnungszeiten. Mein inneres Tröderlradar schlägt an, in schau in die Auslage und seh einige wunderbare antike Gürtelschnallen (an den Hut denk ich zu dem Zeitpunkt gar nicht mehr), Preis von … bis …, scheinbar ja doch in vernünftigem Rahmen. Die will ich näher sehen, die Schnallen, geh also hinein, schau sie mir an, plauder ein wenig mit der Inhaberin und einer Kundin, geh weiter nach hinten und was find ich da oben auf einem Regal? Ja, den grandiosen Hut! Ich angel ihn mir runter, setz ihn auf und er paßt wie für mich gemacht. Gut, denk ich mir, Preisschild ist keins dran, jetzt will ich aber schon wissen, was er kosten soll. Ich marschier mit dem Hut stolz in der Hand nach vorn und Inhaberin und Kundin fangen gleichermaßen zu grinsen an. Wissen sie, sagt die Kundin, den Hut zu kaufen hab ich mir auch schon überlegt, aber wann setz ich sowas denn auf. Drauf meint die Inhaberin, ja, und der Hut hat auch eine Geschichte, er stammt aus Amerika und gehörte einer Prominenten. (Uff, DAS wird jetzt sicher unerschwinglich) Mehr erfahre ich aber erst (mit Augenzwinkern) wenn ich den Hut auch nehmen mag. Ja will ich (!!!), aber bitte jetzt endlich, was soll er denn kosten. Preis, meinte sie, hätte sich sich eigentlich noch gar keinen überlegt, denn so ein extremes Ding kann man ja in Wien eh kaum tragen, und wer kauft ihn denn schon, weil, der Hut hat auch für sie selber eine Geschichte.
Und die beginnt in New Orleans. Mit ihrer damals 25-jährigen Tochter, also wohl vor etlichen Jahren, steht sie - man bedenke das schwülheiße Klima - in einem kleinen Trödelladen und Töchterchen will diesen nur dann erst wieder verlassen, wenn der Hut auch mit dabei ist. Mama argumentiert, wann sie DEN denn um Himmels Willen in WIEN aufsetzten will, das traut sich sich ja NIE. Aber ich WILL den Hut haben, quengelt die Tochter und strampft mit dem Fuß auf, und ich setzt ihn auf, ganz sicher, sagt sie, und wenn ich im Fasching damit als Krähe gehen muß!! (Hence the “Krähenhut”). Also gut, Mama ist breitgeschlagen, der Hut mitsamt großer Hutschachtel muß mit (schließlich hat der Hut ja eine Geschichte und ist quasi ein Prominentensouvenier), darf dann auch noch in die Karibik mitreisen, sehr zum Verwundern der dortigen Kofferträger - wer reist schon bitteschön mit großer Hutschachtel in die Karibik - bevor er dann in Wien ladet.
Für den Hut beginnt die Geschichte irgendwann in den Dreißiger Jahren, als er von Frank Palma gefertigt und bei Sara’s in New York verkauft wurde. An eine Dame, die zufälligerweise die Freundin von Al Capone war. Nun, diesen Teil der Geschichte kann ich nicht verifizieren, aber es soll angeblich Photos mit ihr mit besagtem Hut geben. Ich vermute, daß es sich dabei um Gladys Walton, einem Stummfilmstar, gehandelt hat. Der Name wurde mir allerdings nicht verrraten. Nachdem ich aber die dazugehörige Hutschachtel noch bekommen soll, kann ich ja nochmal nachfragen.
Also, so wies scheint, war ich die einzige, der der Hut jemals wirklich gestanden hat und daher wurden wir uns auch über den Preis einig. Keine Sorge, ICH trau mich schon, den aufzusetzen, muß mir nur ein passendes Outfit drumrumnähen. Vorerst aber darf er mal ein wenig stilentfremdet aufs WGT mit.
Und hier ist er, der Krähenhut:
