Der Tag begann trüb und regnerisch und blieb auch leider so. Daher ließ ich die große Kamera eingepackt und machte mich mit der kleinen Knipse auf den Weg. Für die typischen Touri-knipst-alle-Häuser-Bilder gab das Wetter echt nicht viel her und selbst der Spaziergang war eher ungemütlich. Daher wars recht leicht, meinen Mann schnell ins Modemuseum zu schleifen. Nach anfänglichem Protest hats ihm dann aber sehr gut gefallen.
Das Modemuseum besitzt keine permanente Ausstellung sondern zeigt immer Retrospektiven diverser zeitgenössischer Designer. Diesmal: Maison Martin Margiela. Auch wenn man es momentan nicht glauben mag, aber ich liebe modernes Design. (Nein halt, ich liebe GUTES Design, egal ob alt oder neu).
In der Online-Elle fand ich diesen kurzen Artikel:
“Der Designer lässt sich weder fotografieren noch interviewen. Es sollen ausschließlich seine Kreationen für sich sprechen.
Durch Recycling alter Mode, Zertrennung, Umfärbung, Umkehren von Nähten und Reißverschlüssen wird sowohl der Ursprung als auch das Artifizielle der Kunst des Schneiderns gezeigt. Margiela setzt zusammen was nicht zusammen gehört: per Hand werden Jeanshosen werden zu Röcken, alte Armeestrümpfe werden zu Pullovern. Von der Presse als Dekonstruktivismus getauft, definiert sich diese Strömung durch einen unvermittelten Zusammenstoß unterschiedlicher Materialien, die auf den ersten Blick im Sinne konventioneller Sehgewohnheiten unharmonisch wirken. Margiela selbst, lehnt den Begriff “Dekonstruktivismus”ab. Er lässt Kleidung in neuer Form wieder auferstehen, erklärte er 1991 gegenüber der ELLE.
Margiela war das 7. Mitglied der “Antwerp 6″, einer Generation von Modemachern, die alle ihre Ausbildung an der Königlichen Akademie der Künste zwischen 1980-1981 absolvierten und den “Stil der Belgier” prägten.
Das japanische “Street Magazine” widmete der “Maison Martin Margiela” zwei Sonderausgaben, die 1999 in Buchform erschienen sind.
Nicolas Ghesquière(Balenciaga) ist ein großer Fan von Maison Martin Margiela.”
Der ganze Artikel
Angenehmer Weise durfte man (halt ohne Blitz, war klar) Photographieren und das tat ich reichlich!!!! Hier nur eine ganz ganz kleine Auswahl:
1. Kleider mit aufgedruckten Photos von Kleidern, 2. eine Weste aus Scherben 3. die Schleppe ist wie die “Schleppe” eines Uchikake (zeremonieller Kimono, überlang, wird nicht gegürtet sondern lose getragen, unterer Saum schleift am Boden) gearbeitet.



1. Handtasche aus Labormantel (der Chemiker in mir mußte hefig grinsen) 2. viieele silberne Schuhe und Stiefel, alle wie Tabi (jap. Socken) gebaut.


Da das Museum im Gebäude der Modeakademie untergebracht ist, gabs unten auch noch eine kleine Ausstellung studentischer Werke.
Insgesamt wars ganz wunderbar und überaus inspirierend!!
Weiter gings durch die Stadt. Uns war kalt und was macht der Wiener da? Sucht ganz dringend ein Kaffeehaus! Aber wir fanden einfach keins!! Unzählige Italiener und sonstige Lokale aber kein g’scheites Kaffeehaus!! Für Wiener eine absolute Katastrophe. (Dafür lief mir aber ein hübscher Hutladen über den Weg, den ich nur unter Mitnahme einer netten runden Schachtel inclusive netter federiger Füllung wieder verlassen wollte).
Dann, endlich! Wir sind hinter der Kathedrale über “het elfde gebod” gestolpert und auch gleich eingefallen. Das Lokal ist wirklich einen Besuch wert! Gerammelt voll mit Heiligenstatuen und alten Möbeln - und sehr leckere Palatschinken und einen guten Kaffee gibts auch. Nachmittag gerettet. Ab ins Hotel, am Abend kommen ja dann die ersten Freunde von uns an.
(Der Tag fand dann noch seinen Ausklang in einem gemütlichen Italiener ums Eck)