Untertitel: das Kimononäh und -anzieh Wochenende.
Letztes Wochenende war eine Freundin aus Deutschland bei uns zu Gast und wir haben die passende Unterwäsch’ (Nagajuban) zu ihrem Tomesode (zeremonieller Kimono der verheirateten Frauen) genäht:

Also, *tadaaaa*, meine Freundin im Untergewand:
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Die Kombination besteht aus einem Rock, einem Wickeloberteil und einem separaten Kragen. Zusammengehalten wird das ganze mit langen Bändern (Koshihimo) und einem breiten Gürtel (Datejime).
Der klassische Nagajuban wäre ein einteiliges Stück, geschnitten wie der Kimono darüber, nur knöchellang, und aus Seide. Ein dekorativer Kragen (Haneri, oft bestickt) wird über den Kragen des Juban geheftet, damit man ihm zum Waschen leicht abnehmen kann. Nur, oft werden die Teile nicht gewaschen, denn die Seide kann sich dabei verziehen, d.h. man nimmt das gesamte Stück dafür auseinander, wäscht die Stoffbahnen, und näht dann alles wieder zusammen. Das gilt im besondern natürlich für den Kimono darüber! Daher wird alles unternommen, damit die Kleidung nicht verschmutz, weil waschen = mühsam. Also besteht normalerweise die übliche Unterwäsche noch aus einer Schichte mehr unter der Schichte, die man auf den Bildern sieht, um auch den Nagajuban vor Schweiß und Co. zu schützen. Diese Unterunterwäsche kann man dann gut waschen. Gut. Als normal gebauter Europäer fühlt man sich dann wie ein Michelin-Manderl. Daher laß ich die Unterunterwäsche gerne weg und mache den Nagajuban aus waschbarem Material. Auch hilft es, wenn der dekorative Kragen nicht fix angenäht, sondern als extra Teil darübergelegt wird.
Weiterer Vorteil des Zweiteilers: er läßt sich viel leichter anziehen und schoppt sich an der Taille nicht zusammen.
In diesem speziellen Fall haben wir aber eine kleine Adaption vornehmen müssen. Der Rockteil hätte eigentlich ein Wickelrock sein sollen, um den einteiligen Nagajuban zu simulieren. Das Problem ist, daß der Tomesode von der Flügelspannweite recht gut paßt, aber um die Hüften recht knapp bemessen ist (no na, die Damen in Japan sind ja doch viel schmaler als unsereins). Bei einem gut passenden Kimono überlappen beide Seiten des Kimono vorne von Hüftbein zu Hüftbein und die senkrechte Mittelnaht hinten bildet eine gerade Linie von Kragen bis zum Boden. So können alle Schichten gut und fest übereinanderliegen und es besteht keine Gefahr, daß der Kimono vorne beim Gehen zu weit aufgeht und man im Freien steht (der schwere Kimono drüber hält auch die Überlappung des Juban an seinem Platz). Das ist leider hier nicht der Fall, daher haben wir einem schmalen Schlauchrock genäht, mit einem Gehschlitz hinten (den sieht man nachher gar nicht) - perfekt, auch im Sitzen klafft der Kimono nicht auseinander.

Jaa, und weils so schön war, haben wir den Kimono in der Nacht gleich auch noch probeweise angezogen!
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Leider ist der Kragen sehr rutschig und daher etwas mühsam glatt über den unteren Kragen zu legen - zu diesem Zwecke gibt es ein eigenes Hilfsmittel, das gab ich aber noch nicht da (bei meinen Kimono hab ich das Problem nicht). Auch hab ich den Obi (der breite Gürtel, ca 30cm breit, 3,80 bis 4,20m lang - Maße gelten für diese Art Obi - Fukuroobi) etwas schlampig gebunden. Der Knoten (Otaiko nennt sich dieser Obi-Knoten) ist auch ein wenig schlampig gebunden, denn für einen vollständigen zeremoniellen Otaiko ist der Obi ein wenig zu kurz - da werde ich beim nächsten Mal ein wenig tricksen müssen. Aber was man gut erkennen kann, ist, wie dieses vermeintliche “Polster” zustandekommt. Unter der oberen Kante verbirgt sich tatsächlich ein kleines Pölsterchen, welches berwirkt, daß der Obi in einem kleinen Bogen vom Rücken absteht.

Mehr Info zum Thema gibts hier:
http://www.hanamachi.de/
Eine sehr schöne Seite auf Deutsch und unter “Kitsuke” findet man auch Anzieh-Anleitungen.