Archive for October, 2006

Weihosterween

Tuesday, October 24th, 2006

Heute haben wir den 24.Oktober. Samstag vor drei Wochen war der 7. Nur so fürs Protokoll: irgendwie ist immer noch die Zeit, zu der man sich über die auch morgens noch angenehmen Temperaturen freut, die Natur draußen und die Lokale drinnen mit bunten Blättern und üppigen Früchten dekoriert sind und der Mensch in ebensolchen sitzt und genüßlich seinen Sturm nuckelt. Kurz, es ist so richtig schön Herbst. An besagtem Samstag setzte ich also meinen Fuß in einen jener Konsumtempel (noch kurzärmelig, weil warm draußen), der unter pink-weißem Banner Produkte anbietet, die besondern Frauen gerne mögen. Ich fand, was ich brauchte und begab mich zur Kassa. Ebenda blinzelte mich frech aus einem noch weit unten angebrachten Regal ein Teddybärchen mit rotweißer Zipfelmütze an, inclusive güldenem Geschenkpackerl und angeschneitem Weihnachtsbaum.

Das war aber für heuer noch nicht die erste Begegnung jener Art, denn im manchen Geschäften traf ich weihnachtliches Farbenspiel schon bunt unter dieverses Halloweenzeugs gemischt Ende September an. Damit nur ja keiner vergißt, daß quasi ja schon übermorgen Weihnachten ist.

Das kann einem die Vorfreude schon ganz schön vermiesen. Ist die echte Vorweihnachtszeit ja eh schon die längste Festvorberitungszeit im Jahr. Aber nein, wir werden drei Monate vorher schon damit bombardiert, Ostern lacht auch schon im Februar im Voraus, wenns draußen noch stürmt und schneit und Faschingskrapfen gibts jetzt das ganze Jahr über - OK, _darüber_ beschwere ich mich eigentlich nicht, ich mag die Dinger - aber es geht mir hier ums Prinzip. Ich erinnere mich an meine Kindheit, als es Krapfen wirklich nur in der Faschingszeit gab. Meine Mutter hat damals jeden Tag beim Bäcker nachgefragt, wann es es denn endlich welche gäbe, denn er hat sie tatsächlich an nur ein paar wenigen Tagen produziert. Und danach war einem vom Krapfenoverflow ohnehin so schlecht, daß man das ganze Jahr keine mehr brauchte.

Es ist das selbe mit Weihnachten. Ich freue mich drauf, wenn vier Wochen vorher die Beleuchtung in den Straßen angeht und es gefiele mir, wenn die Geschäfte auch dann erst ihre glitzernden Auslagen präsentieren würden - so wir früher. Das bringt etwas buntes Licht in die finstere Jahreszeit. Wenn also schon Verlängern, dann bitte nicht in den November, sondern laßt die bunten Lichterketten bis Ende Jänner hängen, wegen der Winterdepression und so.
Halloween ist ja auch so eine Sache. Vor zehn Jahren war das noch kein Thema hierzulande. Ein paar junge Leute, von Film und Fernsehen gut geprägt, hatten ihren Spaß dran, mit ein paar von Markt geholten Kürbissen, etwas Faschingsdeko und viel Improvisation die eine oder andere Halloweenparty zu zaubern. Das hat Spaß gemacht, weil es solcherart Fest nicht gab und weils keiner kannte. Man feierte für sich. Recht bald scheints wurde wurden die paar Leutchen von der Konsumindustrie entdeckt, die natürlich prompt dahinter das große Geschäft witterte. Schnell, von einem Jahr aufs nächste, fand sich auch in unseren Regalen, und mit entsprechend langer Vorwarnzeit, also auch mindestens einen Monat vorher, jedwedes Requisit, welches man für eine zünftige Halloweenparty braucht. Irgendwie macht es jetzt keinen Spaß mehr.

Wie wäre es also, lieber Handel, wenn ein Ganzjahresfest eingeführt würde. Das wäre doch praktisch. Es spart Personalkosten, denn die Regale müssen nicht ständig umgeräumt werden, um im Ringelreih Platz für Weihnachten, Fasching, Valentinstag, Ostern, Muttertag –lange Pause, die gilt es zu füllen, es fehlt eindeutig ein Feiertag in der Mitte des Sommers!!–Halloween, Weihnachten uswusf zu schaffen und das dumme Konsumschaf kann das ganze Jahr über in den Weihosterweenlichen Konsumrausch verfallen.

The Mob Goes Wild

Monday, October 23rd, 2006

… von Clutch. Paßt zu meiner momentanen Laune.

Nun. Kaum bin ich heute in der Früh um kurz nach halb Acht am Bahnsteig aufgeschlagen, da schallt es mir schon gutgelaunt um die Ohren: “Sehr geehrte Fahrgäste! Aufgrund eines schadhaften Triebwagens ist der Regionalzug voraussichtlich 25 bis 30 Minuten verspätet.” Fesch. 45 sinds dann geworden, ohne ein jedes weitere Kommentar. Fein. Kaum sitze ich also, eine geschlagene Stunde nachdem ich aus dem Haus gegangen bin, doch endlich im Zug, da trappelt schon der Schaffner an und verlangt die Fahrausweise. Ein Fahrgast mir schräg gegenüber sprach mit ja schon aus der Seele. Er sah den Schaffner sehr schief an und meinte: “Also, ich bin sehr versucht, ihnen die Fahrkarte auch erst mit einer dreiviertel Stund’ Verspätung zu zeigen.” Für die restliche Fahrt wurde ich des Schaffners nicht mehr ansichtig. Obwohl der arme Kerl genauso wenig für die Verspätung kann wie unsereins.

Nur gut, daß einem auf den Bahnhöfen keine Plakate angrinsen und keine Fernsehwerbung einem weismachen will, wie schnell, bequem, umweltfreundlich und vor allem streßfrei (=auch ärgerfrei??) man denn mit der Bahn nicht in die Arbeit fahren könne. Der eifrig für solcherart Dienstleistung tief in die Tasche greifende Fahrgast könnte sich doch glatt verhöhnt vorkommen. Arme Frau aus dem Werbemärchen. In der Realität wird sie lange warten auf ihren Prinzen, der täglich im Sportflitzer am Bahnübergang steht. Falls ihr Zug überhaupt fährt…..

Japan im Kopf

Thursday, October 12th, 2006

Wie hat bei mir die Japanophilie eigentlich angefangen? Ich glaub, ich war so etwa 10 Jahre alt, als die eh so bekannte Verfilmung von James Clavells Roman “Shogun” zum ersten mal im Fernsehen lief. Ich war völlig hingerissen. Nicht von Richard Chamberlain, sondern von der gesamten Stimmung, der Ausstattung und, nachdem das ganze dann ein paar Jährchen später wieder zu sehen war, von Toshiro Mifune. Ich _mußte_ natürlich dann auch den Roman selber lesen, nebst Büchern über japanische Geschichte. Und, Überraschung, der englische Navigator in Clavells Buch hat tatsächlich gelebt, William Adams hieß er, landete 1600 in Japan und starb dort auch zwanzig Jahre später. Giles Milton widmete diesem Mann ein ganzes Buch, Samurai William, sehr empfehlenswert!

Ich mochte die Shogun-Verfilmung damals schon und ich mag sie heute noch immer. Nur habe ich mich gefragt, wie authentisch das ganze wohl sei, denn daß es Hollywoods Filmemacher mit der Authetizität historischer Darstellungen nicht immer so genau nehmen, kann einem jeder ernsthafte Kostümkundler bestätigen. Nun, ich war erstaunt, wie genau ihnen die Darstellung des Lebens im Japan der frühen Tokugawa-Ära gelungen ist. (The Costume Museum)

Ein gutes Beispiel, wie man es nicht machen sollte, ist wohl die Verfilmung von Arthur Goldens Roman “Die Geisha”. Ja, Maiko und Geisha (Geiko im Kyotoer Dialekt) sehen für westliche Augen eher ungewohnt aus. So wurde nebst der typischen Frisur vor allem das dicke weiße Makeup als für das amerikanische Publikum “too scary” empfunden und daher weggelassen. [Nun, ich erinnere mich da an einen Urlaub in Florida, als mir auf der Strandpromenade eine ältliche Dame entgegenkam, dick mit Schminke zugekleisert und unter den Wangenknochen zeichneten sich Silikonpölsterchen ab. Angst!]. Daß die gesamte Aufmachung aber ein sehr wesentlicher Bestandteil ihres Berufes ist, kann man sehr schön bei Liza Dalby oder in den Memoiren von Mineko Iwasaki nachlesen.

Von Liza Dalby lag wenig später noch “Kimono: Fashioning Culture” auf dem Nachtkastl. Eines der wenigen englischen Bücher, die sich mit japanischer Kostümgeschichte befassen.

Wednesday, October 11th, 2006

Ich mag diese Jahreszeit. Wenn man in der Frühe vom Zug aus die nebelverhangene Landschaft betrachtet, wie die Sonnenstrahlen sich durch den dichten weißen Vorhang kämpfen, über Dir die Ahnung eines coelinblauen Himmels - schon schön. Und gut geeignet, um sich in die richtige Stimmung für einen von Wolf Haas’ Brenner-Romanen zu versetzen. Weil, da brauchst halt schon eine eigene Verfassung dazu, so das mit dem Nebel und dem gemächlich dahingleitenden Zug, das paßt.

Schon in der übernächsten Station wird einem dann die ganze schöne Lesestimmung ruiniert, denn es hat just wieder einmal ein ganzer Schippel Halbwüchsiger hinter Dir Platz genommen, offenbar kollektiv an einer sehr schweren Form von juveniler Logorrhoe leidend. Die Armen! Der ganze Zug mutiert instantan zur Krankenstation für die Siechenden, die lautstark das restliche pendelnde Volk mit den Symptomen bekannt machen. Kurz, was oder wer oder wie denn nicht alles Scheiße oder Oasch oder was weiß ich sei.

Ich hatte und habe ja ausgiebig Zeit, die verschiedenen Formen zu studieren:

  • Eine typische Form findet sich zwischen zwei weiblichen Wesen im mittleren Teenageralter. Mich verblüfft ja immer wieder, wieviel man plappern kann, ohne dazischen merklich nach Luft zu schnappen. Wenn sie dann noch dazu ein gewisses infantiles Gehabe (noch) nicht abgelegt haben und die ohnehin schon eher laute Unterhaltung auch noch im hohen Quietschtonbereich stattfindet, nun das ereilt einen speziell dann, wenn man eh schon mit Kopfschmerzen vom langen vorm-Bildschirm-hocken erleichtert am Heimweg ist. Nach Murphy setzt sich ein solches Gespann natürlich genau Dir gegenüber. Ein nach einiger Zeit aufgestetzer Gesichtsausdruck als hätte man unsägliche Zahnschmerzen kann eventuell den Lärmpegel etwas senken - soferne man über der immens wichtigen Unterhaltung überhaupt bemerkt wird.
  • Eine zweite Kombination ist die von Tussi oder cooler Macker und Handy. Das schrillt dann mit dem allerneuesten Klingelton im Zweiminutentakt, dazwischen wird zur Erbauung der Waggoninsassen unüberhörbar auf ein für uns bemitleidenswerte Außenstehende unbekanntes Gegenüber eingeredet.
  • Das endemische Auftreten von Logorroeh in ganzen Gruppen habe ich oben schon kurz angesprochen, dabei gilt es aber noch zu bemerken, daß sich einer solche Gruppe inmitten immer eine/r - oder auch zwei, drei - mit einem dominanten ich-bin-so-wichtig-Gen befindet. Dieses bewirkt eine zusätzliche Erhöhung der Lautstärke, wodurch die weltbewegenden Einsichten der ebenwelchen Person wohl noch zwei Waggons weiter erhört werden können.

Ich glaub’, ich werd langsam alt.

Nein.

Ich glaub, ich war nie so jung.

Habs mir doch auch genehmigt

Tuesday, October 10th, 2006

Eigentlich wollte ich ja gar nicht, einfach weil so ein Wirbel drum gemacht wurde. Aber wenn man dann bar jeden Lesestoffs fürs tägliche Pendeln in der Bahnhofsbuchhandlung landet und eigentlich zeitschriftliches im Sinn hat, kann es schon passieren, daß einen der sauber aufgeschlichtete Stapel an Dan-Brown-Romanen anlacht. Also gut, Sakrileg, jetzt endlich als TB. Jaaa, ich weiß, aber es ist tatsächlich sehr netter Leseknabberstoff, ich hatte mir weniger erwartet. Lang hats also nicht gebraucht, bis ich damit durch war. Wer sich für die Thematik an sich interessiert, dem empfehle ich allerdings eine der Quellen, die Herr Brown offenbar selber verwendet hat, nämlich: Der heilige Gral und seine Erben, von Henry Lincoln und Michael Baigent.

50 min…

Tuesday, October 10th, 2006

… in der Früh vom Westbahnhof in die Währinger Straße. Zu fuß. Alwa und die neue Welt der Sportlichkeit.

Manchmal frag ich mich….

Monday, October 9th, 2006

Da steigt frau am Ende des Arbeitstages in die Ubahn ein, vor einem zwei spindeldürre weibliche Wesen, bei einer davon wenigstens noch ein rudimentärer Popsch in der ach so angesagten Hüfthose und dann beschwert sich genau diese welche, sie sei zu fett.

No comment.

Alles neu macht der Mai!

Monday, October 9th, 2006

…halt, wir haben ja schon Oktober. Der Sommer hat sich leise an uns vorbeigeschlichen und die Zentralheizung verbreitet wohlige Wärme. Ich bin ja sehr für beheizte Bahnsteige, vor allem dann, wenn uns die liebe ÖBB mal wieder mit morgendlichen 25 Minuten Zugverspätung bei 4°C Außentemperatur erfreut.